Wenn der Herbst flüstert: Ein Streifzug zur geheimnisvollen Haunoldmühle
Der Herbst ist für mich die absolute Lieblingszeit zum Entdecken. Wenn die Luft kühler wird, die Blätter in den schönsten Gold- und Rottönen leuchten und sich ein Hauch von Mystik über die Landschaft legt, dann zieht es mich nach draußen. Diesmal sollte mein Ziel etwas Besonderes sein: ein Ort, der zwar kein klassischer, verlassener "Lost Place" ist, aber dennoch eine Atmosphäre ausstrahlt, die mich sofort in ihren Bann gezogen hat – die Haunoldmühle in Obergrünburg.
Kennst du das Gefühl, wenn du an einem Ort stehst, an dem die Zeit scheinbar kurz innehält? Genau das habe ich gesucht. Bewaffnet mit meiner Kamera und einer großen Portion Neugier, startete ich meine Tour in Steinbach an der Steyr. Die Region rund um die Steyr ist ohnehin ein Juwel, aber wenn man gezielt nach solchen Relikten aus vergangenen Tagen sucht, bekommt der Spaziergang eine ganz eigene, spannende Note. Man wandert nicht nur durch die Natur, sondern auch ein Stück durch die Industriegeschichte unserer Heimat.
Ich wählte den sogenannten „Kraftweg“, der sich malerisch entlang des Steyrflusses schlängelt. Das Rauschen des Wassers begleitet einen fast den gesamten Weg wie ein guter alter Freund. Es ist diese Art von Wanderung, bei der der Kopf ganz von allein frei wird. Schritt für Schritt ließ ich den Alltag hinter mir, bis ich schließlich die Steyrbrücke erreichte. Von hier aus ist es nur ein kurzes Stück, um zur Haunoldmühle zu gelangen. Wenn man dort ankommt, wirkt das alte Gemäuer fast ein wenig schüchtern, als würde es sich zwischen den Bäumen vor den neugierigen Blicken der Spaziergänger verstecken wollen. Es ist dieser Kontrast zwischen dem wilden Fluss und der stummen Zeugin vergangener Arbeitstage, der mich immer wieder fasziniert.
Ein Ort mit Geschichte: Vom Mahlwerk zur Energiequelle
Die Haunoldmühle ist kein hochglanzpoliertes Museum, in dem man hinter Absperrungen darauf wartet, dass ein Audioguide einem die Welt erklärt. Sie ist ein echtes Stück Geschichte. Die erste Erwähnung eines Säge- und Mahlwerks findet sich bereits im Jahr 1599 im Urbar der Herrschaft Steyr. Stell dir das mal vor: Hier wurde gearbeitet, als der Dreißigjährige Krieg noch nicht einmal begonnen hatte!
Doch die Mühle hat sich gewandelt. 1840 wurde sie zum Blech- und Streckwalzwerk umgebaut, und ab 1908 surrten hier Maschinen einer Holzstoff- und Pappenfabrik. Heute ist sie ein modernes Wasserkraftwerk, das vier Francis-Turbinen nutzt, um grüne Energie zu liefern. Der Wandel von handwerklicher Müllerei hin zu nachhaltiger Stromerzeugung – ein spannender Bogen, den dieser Ort spannt. Das Klappern der alten Mühlräder ist längst verstummt, doch wer ganz leise ist, kann sich fast vorstellen, wie hier einst emsig gearbeitet wurde.
Tipps für deine Tour in der Region:
- Die Steyr-Auen: Nimm dir Zeit für die Uferwege. Die Steyr ist ein Wildfluss mit ganz eigenem Charakter – perfekt zum Innehalten.
- Steinbach an der Steyr: Der Ort selbst ist für seine wunderbare Krippenschnitzkunst bekannt. Ein kurzer Bummel durch den Ortskern rundet den Ausflug perfekt ab.
- Die beste Fotografie-Zeit: Früh am Morgen, wenn der Nebel noch schwer über dem Wasser hängt und die Sonne sich in den Scheiben der Mühle bricht, wirkt der Ort besonders mystisch.
- Respekt vor dem Ort: Denk dran, die Anlage ist heute teilweise in Betrieb und das Areal ist privat. Genieße den Anblick von außen und lass die Natur unberührt.
Egal, ob du nur vorbeikommst, um ein paar tolle Fotos zu schießen, oder ob du dich wie ich einfach von der Atmosphäre verzaubern lässt: Die Haunoldmühle ist ein wunderbares Ziel für einen entspannten Halbtagsausflug. Man braucht nicht immer die großen Sehenswürdigkeiten oder überlaufene Hotspots, um etwas Besonderes zu erleben. Oft sind es genau diese versteckten Ecken, die uns zeigen, wie schön und vielfältig unsere unmittelbare Umgebung ist. Es ist ein Ort, der Entschleunigung geradezu einfordert.
Hier sind noch ein paar Eindrücke von meiner Tour, die zeigen, warum dieser Ort einfach einen Besuch wert ist:
Haunoldmühle Streetview von der B140 aus:
Wichtig ist mir noch ein kleiner Appell: Auch wenn uns diese Orte magisch anziehen, vergessen wir bitte nicht, dass es sich um Privatbesitz handelt. Die Mühle wird heute genutzt, und das Areal ist zu unserem Schutz und zum Schutz des Betriebs abgesperrt. Bleib bitte außerhalb der Zäune. Man kann auch von der öffentlichen Seite aus fantastische Fotos machen, ohne jemanden bei der Arbeit zu stören oder eine Besitzstörung zu begehen. Respektiert die Natur und die historischen Gebäude – so bleibt der Zauber auch für diejenigen erhalten, die nach uns kommen.
Am Ende meiner Runde in Steinbach an der Steyr angekommen, war ich zwar ein wenig erschöpft, aber mein Kopf war herrlich leicht. Genau so müssen Herbsttage enden!
Hast du auch solche Lieblingsplätze in deiner Nähe, die nicht jeder auf dem Schirm hat? Vielleicht einen alten Stadel, eine versteckte Brücke oder einen Waldweg, der Geschichten erzählt? Schreib es mir doch in die Kommentare – ich bin immer auf der Suche nach neuen, kleinen Abenteuern, die genau vor unserer Haustür liegen!
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